Der Filmstar, der eigentlich nur schreiben will

Ein Gespräch mit dem tschechischen Schauspieler Jiří Mádl über die Entstehung seines ersten Films „Pojedeme k moři“.

Im Moment gibt es in der tschechischen Filmszene wohl nur wenige Figuren, deren Stern heller leuchtet als der von Jiří Mádl. Dem 27-Jährigen ist bereits 2004 mit der Teenagerkomödie Snowborďaci (dt.: Snowborder) der Schauspiel-Durchbruch geglückt, und seitdem folgte Kassenschlager auf Kassenschlager. Insbesondere unter dem weiblichen Publikum fanden seine natürlichen Auftritte immer wieder großen Anklang. Auch wenn der Ruf eines Mädchenschwarms noch an ihm haftet, hat Mádl in den letzten Jahren dennoch deutlich gezeigt, dass er der Kinoleinwand viel mehr anzubieten hat als bloß jungenhafte Charme und ein gewinnendes Lächeln.

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Jiří Mádl (r.) bei den Dreharbeiten von Pojedeme k moři mit Haupdarsteller Petr Šimčák (Tomáš) | (c) Bio Illusion

Sein mehrfach prämiertes Regiedebüt Pojedeme k moři (dt.: Das Meer sehen) startete tschechienweit im April 2014 und zählt dort bereits zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres. Die außergewöhnliche Komödie, für die Mádl auch das Drehbuch schrieb, erzählt von Tomáš, einem liebenswürdigen Lausebub aus Budweis, der gerne der nächste Miloš Forman werden würde. So beschließt er, eine Dokumentation über sein eigenes Leben zu drehen – der Beginn von allerlei spitzbübischen Abenteuern.

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Ein Tag im Märchenwald

Eine deutschsprachige Filmadaption des tschechischen Märchens „O Smoličkovi“ wird gerade in Bayern produziert.  Schaufenster Tschechien war am Set und berichtet über die magischen Dreharbeiten.

„Hol‘ den Wolf-Schwanz, und bitte schnell“, flüstert jemand in ein Walkie-Talkie.  Eigentlich sollte mir diese Aufforderung komisch vorkommen, aber heute ist kein normaler Tag. Ich bin am Jexhof im Kreis Fürstenfeldbruck, nicht weit weg von der bayerischen Landeshauptstadt, und habe, wenn ich mich nicht irre, gerade drei der sieben Zwerge gesehen.

Es ist der letzte Tag der Dreharbeiten für den neuen deutsch-tschechischen Märchenfilm Vom Smoliček. Die Sonne scheint und ein Zauber liegt in der Luft. Nur die Bitte, dass Rotkäppchen in den Schatten gehen solle, wenn die Szene zu Ende ist, holt mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, denn bei den Brüdern Grimm musste das Mädchen ja nie an Sonnenschutz denken.

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Neue Freunde für den Smoliček | (c) Antana Film

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Zerschlagene Hoffnungen

Im Rahmen der Ausstellung „Das schicksalhafte Jahr 1968“ werden eindrucksvolle Fotografien der Niederschlagung des Prager Frühlings im Tschechischen Zentrum München präsentiert.

Das Jahr 1968 gilt in vielen Ländern als epochenprägend – eine Zeit von Umbruch, Gewalt und Widerstand. Von den Demonstrationen und Streiks in Frankreich über den Krieg in Vietnam bis hin zum tödlichen Attentat auf Martin Luther King wurde in fast jeder Ecke der Welt Geschichte geschrieben. Doch kaum irgendwo waren die Höhen und Tiefen des Jahres so groß wie in der Tschechoslowakei.

Mit dem Amtsantritt Alexander Dubčeks am 5. Januar 1968 begann ein tiefgreifender Reformprozess – ein Versuch, die Politik auf vielen Ebenen zu liberalisieren. Die Rede war vom „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ und auf einmal eröffneten sich neue kulturelle sowie gesellschaftliche Freiräume. Allerdings weckte dieses politische Tauwetter den Unmut der Sowjetunion; trotz einer Reihe Verhandlungen dauerte es nicht lange, bis die Machtinhaber in Moskau dem Geschehen in der Tschechoslowakei gewaltsam Einhalt geboten.

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Bilder aus der Ausstellung Das schicksalhafte Jahr 1968

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