Zeitgenössischer Schmuck – Rinderknochen, Snowboards und Tischtennisbälle

Wahrscheinlich kann jeder etwas mit dem Wort „Schmuck“ anfangen. Manche denken gleich an goldene Ringe und Halsketten von Cartier, ein anderer ist vielleicht mehr an Bijouterie interessiert, aber nur wenige würden mit dem Wort „Schmuck“ die drei im Titel genannten Begriffe verbinden. Aber warum eigentlich nicht? Die tschechischen Schmuckkünstler zeigen auf der Ausstellung „Schnitt/Incision“ im Tschechischen Zentrum München vom 12.3. bis 3.4.2015, dass auch aus solchen Materialien beeindruckender Schmuck entstehen kann.

Im Rahmen der Reihe Schmuck 2CIMG6601015 auf der Internationalen Handwerkmesse München haben sich sechs tschechische Schmuckkünstler im Tschechischen Zentrum vorgestellt: Stanislava Grebeníčková mit ihren eleganten Broschen aus Glas, Kateřina Matěchová, deren Tischtennisbälle eine neue Verwendung gefunden haben, der auch im Ausland bekannte Pavel Opočenský, der aus alten Snowboards Unglaubliches hergestellt hat, Jana Střílková mit ihren einzigartigen Produkten aus Rinderknochen, Jiří Šibor, der „Meister der Nietung“, und Karel Votipka, der Steine in Schmuck verwandelt hat.

Schon allein die Auswahl dieser Künstler macht deutlich, wie mannigfaltig zeitgenössischer Schmuck sein kann. Ein jeder arbeitet mit anderen Materialien und nutzt andere Techniken zur Bearbeitung. Auch der Generationsunterschied zwischen den einzelnen Künstlern lässt sich gut an deren Werken erkennen. So wirken die Tischtennisbälle von der frisch gebackenen Absolventin Matěchová fröhlich und voller Leben, im Gegensatz dazu strahlen die Broschen von Opočenský oder Šibor Eleganz und Sinn für Schönheit aus.

Die Vernissage der Ausstellung fand am 11.3.2DSC_0285015 statt und wurde von den Ausstellungskuratoren Julie Bergmannová und Jiří Šibor eröffnet. Sie stellten die anwesenden Künstler vor und führten die Besucher in deren Techniken der Schmuck-Herstellung ein. Zu den interessierten Gästen gehörte auch der tschechische Generalkonsul in München Milan Čoupek.

Die Besucher waren fasziniert von der Arbeit der „goldenen tschechischen Hände“, und vermutlich hätte jeder gerne ein Schmuckstück mit nach Hause genommen. Allerdings zählt zeitgenössischer Schmuck aus Tschechien nicht zu den preiswerten Geschenken. Der Preis eines Schmuckstücks aus Stein kann durchaus den eines Schmuckstücks aus Gold von einer bekannten Weltmarke übertreffen. Tschechischer zeitgenössischer Schmuck wird daher vor allem von Sammlern und „Kunst-Feinschmeckern“ nachgefragt. Eine solche Kunstmäzen-Familie kam bereits vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung. Diese Gruppe italienischer Sammler, die zwar ziemlich unauffällig aussah, dabei aber in Italien bedeutsame Kunstsammlungen in riesigen Schlössern besitzt, kaufte mehrere Schmuckstücke für Tausende von Euros. Und nach einer halber Stunde war sie wieder weg, genauso diskret, wie sie gekommen war. Weiterlesen