Die Gruppe Kieslowski sprengte mit ihrer Musik Sprachbarrieren – ein Konzert im Tschechischen Zentrum


Zur Langen Nacht der Musik, die am 9. Mai in ganz München stattfand, war auch die tschechische alternative Musikszene mit der Gruppe Kieslowski vertreten. Mit Live-Konzerten an mehr als hundert Orten präsentierte sich in München eine bunte Skala verschiedenster Musikrichtungen. Die Räumlichkeiten des Tschechischen Zentrums brachte das Duo Kieslowski, das sich aus der Sängerin und Pianistin Marie Kieslowski und dem Gitarristen und Sänger David Pomahač zusammensetzt, mit ihren musikalischen Dialogen zum Klingen. Kieslowski ist eine Gruppe, deren oft intim und zerbrechlich wirkende Musik sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet. Sie selbst benennen ihren Stil als Urban Folk.DSCN0155

Den Zuhörern im Tschechischen Zentrum bot die Band einen Querschnitt ihres Schaffens. Der kleine Konzertraum stellte eine persönliche, fast schon intime Atmosphäre zwischen den Zuhörern und den Musikern her. Doch auch sonst war das Konzert für Kieslowski besonders: Nicht nur, dass sie aufgrund ihrer tschechischen Liedtexte normalerweise nicht vor ausländischem Publikum spielen, sondern auch die Länge ihres Auftritts war ungewöhnlich. Vor dem Hintergrund von Sandmännchen-Bildern aus der Kinderausstellung „Radek Pilař für Kinder“ spielten sie mit nur kurzen Pausen über drei Stunden. Für eine Gruppe, die sich nicht nur über Musik, sondern sehr stark auch über emotional aufgeladene Texte mitteilt, war es zweifellos eine Herausforderung, mit dem deutschen Publikum in Kontakt zu treten. Und dennoch: Obwohl ein Großteil des Publikums des Tschechischen nicht mächtig ist, ließ es sich offensichtlich stark von ihrer Musik berühren. Nicht zuletzt kauften viele Zuhörer im Anschluss auch die mitgebrachten CDs des Duos. Die Sängerin Marie Kieslowski sagt selbst dazu, dass die Ansicht, ihre Musik könne von Ausländern nicht völlig erfasst werden, wieder einmal widerlegt worden ist. Weiterlesen

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Hommage an Věra Chytilová

Vom 06.03. bis 12.04.2015 hatte das Münchner Publikum die Chance, die gesamte Filmografie der tschechischen Ausnahme-Regisseurin Věra Chytilová kennenzulernen. Ein Jahr nach Ihrem Tod zeigte das Filmmuseum München eine fünfwöchige Retrospektive zu Ehren Věra Chytilovás, in der alle Themen, auf die Věra Chytilová besonderen Wert gelegt hat, Raum bekamen. Die Frauen und ihre Schicksale in verschiedenen Zeiten, Lebenssituationen und soziale Umgebungen wurden zum Hauptthema ihres Lebenswerkes, die in den Filmen Pytel Blech (Ein Sack Flöhe), Strop (Die Decke), O něčem jiném (Von etwas anderem), Sedmikrásky (Tausendschönchen), Hra o jablko (Ein bisschen schwanger), Pasti, pasti, pastičky (Große Fallen, kleine Fallen) oder Hezké chvilky bez záruky (Angenehme Momente) ihren Ausdruck fanden. Ihr Bestreben, auf gesellschaftliche Leiden und Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und menschliche Belanglosigkeit zu verspotten, hat aus ihr Mitte der 60er Jahre eine Persönlichkeit europäischen Formats gemacht, wobei sie den Sarkasmus und die Kompromisslosigkeit zu ihren Waffen zu machen wusste. Für den britischen The Guardian war sie daher die Margareth Thatcher der tschechischen Kinematografie. Die folgenden Zeilen sind eine bearbeitete Version des Einleitungstexts zur Retrospektive aus dem Programmheft des Münchner Filmmuseums. Der Text stammt von der Filmkritikerin und Journalistin Jana Podskalská.

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Aus dem Film Sedmikrásky (Tausendschönchen). © NFA

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