Eine Lesung über den tschechischen Pionier der Kunstfotografie František Drtikol

Am 16. Juni 2015 fand in der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München, an der Fakultät für Fotodesign, eine Lesung aus dem Roman „Dějiny světla“ (CZ 2013, Eine Geschichte des Lichts) des tschechischen Autoren Jan Němec statt. Der biografische Roman, der 2014 mit dem Tschechischen Buchpreis und auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet worden ist, widmet sich dem bedeutenden tschechischen Fotografen František Drtikol. Der für die Lesung ausgewählte Ort war mehr als symbolisch, denn František Drtikol hatte an der Vorgängerinstitution dieser Schule vor mehr als hundert Jahren studiert. Jan Němec las daher vor allem Auszüge aus den Kapiteln vor, deren Handlung in München spielt. Die Textpassagen wurden extra für die Lesung vorab ins Deutsche übersetzt. Im Hintergrund wurden derweil Fotografien von Drtikol projiziert. Im Gespräch mit dem Publikum stellte Němec dann die faszinierende Persönlichkeit Drtikols näher vor und ging darauf ein, was ihn zu dem Roman inspiriert hatte. In der sehr persönlichen Diskussionsatmosphäre lernten die Besucher nicht nur Němecs Werk, sondern auch den Autor selbst besser kennen. 

 DSCN0323Jan Němec wuchs in der Familie des Schriftstellers und Rundfunkredakteurs Ludvík Němec auf. Er studierte Soziologie und Religionswissenschaften, derzeit arbeitet er als Redakteur der Zeitschrift und des Verlags „Host“. Er ist außerdem Dramaturg der TV-Literaturreihe „U zavěšené knihy“ (Zum aufgehängten Buch). Seit dem Jahr 2014 ist er zudem Vorsitzender des neu gegründeten tschechischen Schriftstellerverbands. „Eine Geschichte des Lichts“ ist sein drittes Buch. Im Jahr 2007 debütierte er mit der Poesiesammlung „První život“ (Erstes Leben). Für seinen prosaischen Erstling „Hra pro čtyři ruce“ (Spiel für vier Hände) wurde er 2010 für den Literaturpreis Jiří Orten nominiert. Für den Roman „Eine Geschichte des Lichts“ erhielt er den Tschechischen Buchpreis 2014 und wurde für die Magnesia Litera in der Kategorie Prosa nominiert. Weiterlesen

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Die Stärke von Eva Tomanovás Dokumentarfilm ist das Fragen

Eva Tomanovás Dokumentarfilm Always together (Stále spolu, CZ 2014) gleicht einer Sonde, die direkt in das Leben einer Familie führt, die einen alternativen Zugang zum Leben gefunden hat. Es ist ein Zeugnis, das den Zuschauer eher mit Fragen zurücklässt, als eindeutige Antworten zu geben. Der Film porträtiert das Leben eines Ehepaars, das eine „andere“ Art der Existenz gewählt hat. Die ehemaligen Bergsteiger, Petr und Simona Mlčoch, entschieden sich irgendwann dafür, Prag zu verlassen und irgendwohin zu ziehen, wo sie die die Gewohnheiten der Mehrheitsgesellschaft ignorieren und mit der Natur verschmelzen konnten. Sie wählten dafür den Böhmerwald und ließen sich gemeinsam mit ihren Kindern in einem Wohnwagen nieder: ohne Wasser, Elektrizität und weitere „Errungenschaften“ der modernen Gesellschaft. Im Winter fahren sie dann mit dem Caravan nach Spanien, wo sie durch Musizieren auf den Märkten etwas Geld verdienen. Und so leben sie schon über zwanzig Jahre.stale-spolu

Tomanová zeigt in ihrem Film das Alltagsleben jedes Einzelnen dieser etwas „anderen“ Familie und enthüllt nach und nach ihre Beziehungen untereinander. Es ist erstaunlich, wie nah die Filmkamera an das Privatleben der Familie herangekommen ist. Der Zuschauer kann dadurch einen intimen Blick in eine Welt werfen, in der vollkommen andere Regeln gelten, als er es gewohnt ist. Im Film versucht die Regisseurin der Frage nachzugehen, was die Protagonisten des Films motiviert hat, ihr Leben derart radikal umzugestalten.

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