Zerschlagene Hoffnungen

Im Rahmen der Ausstellung „Das schicksalhafte Jahr 1968“ werden eindrucksvolle Fotografien der Niederschlagung des Prager Frühlings im Tschechischen Zentrum München präsentiert.

Das Jahr 1968 gilt in vielen Ländern als epochenprägend – eine Zeit von Umbruch, Gewalt und Widerstand. Von den Demonstrationen und Streiks in Frankreich über den Krieg in Vietnam bis hin zum tödlichen Attentat auf Martin Luther King wurde in fast jeder Ecke der Welt Geschichte geschrieben. Doch kaum irgendwo waren die Höhen und Tiefen des Jahres so groß wie in der Tschechoslowakei.

Mit dem Amtsantritt Alexander Dubčeks am 5. Januar 1968 begann ein tiefgreifender Reformprozess – ein Versuch, die Politik auf vielen Ebenen zu liberalisieren. Die Rede war vom „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ und auf einmal eröffneten sich neue kulturelle sowie gesellschaftliche Freiräume. Allerdings weckte dieses politische Tauwetter den Unmut der Sowjetunion; trotz einer Reihe Verhandlungen dauerte es nicht lange, bis die Machtinhaber in Moskau dem Geschehen in der Tschechoslowakei gewaltsam Einhalt geboten.

Ausstellung_1968

Bilder aus der Ausstellung Das schicksalhafte Jahr 1968

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Ganz nah dran: Erzherzog Franz Ferdinands Hoffotograf Rudolf Bruner-Dvořák

Die Ausstellung  „Kaiser Franz Josef und Franz Ferdinand. Fotografien von Rudolf Bruner-Dvořák aus der Sammlung Scheufler “ im Kulturforum im Sudetendeutschen Haus.

Hätte es den Boulevard-Journalismus damals gegeben, so wäre es der Traum eines jeden Paparazzi gewesen: Fotograf am kaiserlichen Hofe mit Einblicken in das Alltagsleben des Herrschers zu sein. Rudolf Bruner-Dvořák (1864-1921) gelang es, mit seinen Aufnahmen den vor 100 Jahren in Sarajevo erschossenen Thronfolger Franz Ferdinand so zu beeindrucken, dass er diese exklusive Stellung im Jahr 1891 erhielt. Einige Dutzend Aufnahmen, die Bruner-Dvořák vom Erzherzog Franz Ferdinand und von Kaiser Franz Josef machte und die aus der privaten Sammlung des tschechischen Fotohistorikers Pavel Scheufler stammen, sind derzeit im Kulturforum im Sudetendeutschen Haus in München zu sehen. Scheuflers Fotoarchiv umfasst mehr als 30 000 Negative und Positive, die überwiegend aus der Zeit der Habsburgermonarchie bis 1918 stammen.

Rudolf Bruner-Dvořáks Franz Ferdinand und Kaiser Franz Josef bei einem unbekannten Manöver (Quelle: Sammlung Scheufler)

Rudolf Bruner-Dvořáks Franz Ferdinand und Kaiser Franz Josef bei einem unbekannten Manöver (Quelle: Sammlung Scheufler)

Rudolf Bruner-Dvořák (1864-1921) stammte aus dem ostböhmischen Přelouč, seine fotografische Ausbildung absolvierte er im Jahr 1887 beim hochangesehenen Münchner Hoffotografen Carl Teufel. Seine Berufsgenossen gingen, vor allem auch aus finanziellen Gründen, meist der Porträt-Fotografie nach, Rudolfs Leidenschaft galt jedoch der Momentaufnahme bzw. Fotografien, die zur Veranschaulichung der Berichterstattung genutzt wurden. Angeblich lehnte er Anfragen nach Porträt-Bildern wiederholt mit der lakonischen Erwiderung Ich mache nur Kühe, Pferde und Fabriken, und all das sind Sie nicht…“ ab.

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Ein alltäglicher Krieg

Eröffnung der Ausstellung „Fotografen des Krieges 1914 – 1918“ im Tschechischen Zentrum München.

Der 100. Jahrestag rückt immer näher. Der Erste Weltkrieg ist in aller Mund. Seit einigen Monaten wimmelt es in München von Veranstaltungen, die das Attentat von Sarajevo sowie den darauf folgenden Kriegsausbruch erläutern und erörtern. Warum war keine diplomatische Deeskalation der Julikrise möglich? Was ist der heutige Erkenntnisgewinn bei pauschalen Schuldzuweisungen an bestimmte Nationen? Könnte sich eine internationale humane Katastrophe derartiger Proportionen im 21. Jahrhundert wiederholen?

Auch im Tschechischen Zentrum München wurde am 3. Juni 2014 in Zusammenarbeit mit dem Adalbert Stifter Verein eine neue Ausstellung zu diesem heiß diskutierten Thema eröffnet. Allerdings ist die Ausstellung „Fotografen des Krieges 1914 – 1918“ keine gewöhnliche Sammlung von Bildern aus dem Ersten Weltkrieg. Vergebens sucht man nach den Schützengräben der Somme. Tatsächliches Kampfgeschehen ist nirgendwo zu sehen.

Brongelówka in unserer Kueche -  čb

Gustav Brožs „Schlafen mit Mädchen“ aus Fotografen des Krieges 1914 – 1918, einer Ausstellung der Tschechischen Zentren, kuratiert von Jaroslav Kučera

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