„Ohne Herz und Seele geht das nicht“

Valentin Stüberl

Das Valentin Stüberl | © Tobias Melzer

Ein Gespräch mit Filip Černý, dem Besitzer vom kultigen Valentin Stüberl, der einzigen waschecht böhmisch-bayerischen Kneipe Münchens.

Das Valentin Stüberl im entspannten Dreimühlenviertel ist für München keine typische Bar. Die Atmosphäre ist eher die eines schrullig möblierten WG-Wohnzimmers als eines gestylten Etablissements. Sitzplätze gibt es nur wenige, und die, die es gibt, kann man nicht reservieren. Geschlossene Veranstaltungen werden nicht zugelassen. Wer hier feiern möchte, sollte einfach möglichst früh da sein, um sich einen Platz zu sichern.

Im Lokal haben Stammgäste offensichtlich Vorrang. Und diese sind erstaunlich bunt gemischt für eine Szenekneipe – von jungen Musikern und Studenten bis hin zu Bankern und einer 85-jährigen Dame, die fast jeden Abend dabei ist: „Leute, die sonst niemals aufeinander treffen würden“, so Betreiber Filip Černý.

Auch er ist nicht so, wie man sich einen erfolgreichen Gastwirt vorstellt. Als wir uns im Biergarten des Bavarese, seinem gegenüberliegenden Restaurant, treffen, wirkt Černý locker und bodenständig. Heute früh hat der gebürtige Prager sein Lokal selbst gereinigt, weil die Putzfrau krank geworden ist. „Ein Mädchen für alles, das ist der Gastronom. Da muss man mal Hausmeister sein, mal Putzfrau; manchmal bin ich der Schankkellner, manchmal bin ich der Kellner, manchmal der Spüler“, erklärt er mit einem Lächeln. Weiterlesen

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Die Gruppe Kieslowski sprengte mit ihrer Musik Sprachbarrieren – ein Konzert im Tschechischen Zentrum


Zur Langen Nacht der Musik, die am 9. Mai in ganz München stattfand, war auch die tschechische alternative Musikszene mit der Gruppe Kieslowski vertreten. Mit Live-Konzerten an mehr als hundert Orten präsentierte sich in München eine bunte Skala verschiedenster Musikrichtungen. Die Räumlichkeiten des Tschechischen Zentrums brachte das Duo Kieslowski, das sich aus der Sängerin und Pianistin Marie Kieslowski und dem Gitarristen und Sänger David Pomahač zusammensetzt, mit ihren musikalischen Dialogen zum Klingen. Kieslowski ist eine Gruppe, deren oft intim und zerbrechlich wirkende Musik sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet. Sie selbst benennen ihren Stil als Urban Folk.DSCN0155

Den Zuhörern im Tschechischen Zentrum bot die Band einen Querschnitt ihres Schaffens. Der kleine Konzertraum stellte eine persönliche, fast schon intime Atmosphäre zwischen den Zuhörern und den Musikern her. Doch auch sonst war das Konzert für Kieslowski besonders: Nicht nur, dass sie aufgrund ihrer tschechischen Liedtexte normalerweise nicht vor ausländischem Publikum spielen, sondern auch die Länge ihres Auftritts war ungewöhnlich. Vor dem Hintergrund von Sandmännchen-Bildern aus der Kinderausstellung „Radek Pilař für Kinder“ spielten sie mit nur kurzen Pausen über drei Stunden. Für eine Gruppe, die sich nicht nur über Musik, sondern sehr stark auch über emotional aufgeladene Texte mitteilt, war es zweifellos eine Herausforderung, mit dem deutschen Publikum in Kontakt zu treten. Und dennoch: Obwohl ein Großteil des Publikums des Tschechischen nicht mächtig ist, ließ es sich offensichtlich stark von ihrer Musik berühren. Nicht zuletzt kauften viele Zuhörer im Anschluss auch die mitgebrachten CDs des Duos. Die Sängerin Marie Kieslowski sagt selbst dazu, dass die Ansicht, ihre Musik könne von Ausländern nicht völlig erfasst werden, wieder einmal widerlegt worden ist. Weiterlesen

Karel Kryl: der singende Dichter, der dichtende Sänger

Ein Abend voller unbekannter Lieder und Gedichte von einem der bedeutendsten tschechischen Sängers des letzten Jahrhunderts

Der 25. Juni 2014 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem im Tschechischen Zentrum München die Stühle ausgegangen sind. Bei vollem Haus wurde in Zusammenarbeit mit der Ackermann-Gemeinde eine Gedenkfeier der ganz besonderen Art veranstaltet.

Im Mittelpunkt stand eine wahre Legende der tschechischen Kultur: Der Sänger und vehemente Gegner unmenschlicher Politik Karel Kryl, der in der Zeit nach der Niederschlagung des Prager Frühlings berühmt wurde und dessen Lieder – mal trotzig, mal voller Klagen – die Stimmung ganzer Generationen wiedergab. Wäre Kryl nicht 1994 an einem Herzinfarkt gestorben, hätte er im April dieses Jahres seinen 70. Geburtstag gefeiert.

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(V. r. n. l.) Direktor des Tschechischen Zentrum München Ondřej Černý, Herausgeber Jan Šulc, Dolmetscherin Zuzana Jürgens sowie Karel Kryls Ehefrau Marlen | (c) Lothar Palsa

Zu Gast waren Kryls Ehefrau Marlen Kryl sowie der Herausgeber Jan Šulc. Der Star des Abends war aber zweifellos der Liedermacher selbst. Denn dank zahlreicher – größtenteils unbekannter – Aufnahmen konnte klar gezeigt werden, dass seine Kompositionen noch heute imstande sind, ein Publikum zu berühren, obwohl mittlerweile zwanzig Jahre seit seinem frühen Tod vergangen sind.

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